Branche diskutiert über Exklusivprodukte

Schon die Praxis einiger Lieferanten einzelne Exklusivprodukte aus den gelisteten Sortimenten einer Marke exklusiv an bestimmte Gruppen oder Einzelhändler zu vergeben war in der Branche auf wenig Gegenliebe gestoßen. Nun wurde von einem großen Hersteller sogar ein Depotvertrag vorgelegt, der diese Praxis ausdrücklich einbezieht.

Dabei führt diese Verhaltensweise und darüber scheint in der Branche weitestgehend Einigkeit zu herrschen, bestehende Depotverträge, und damit auch deren Sinn und Nutzen nahezu ad absurdum.

„Es kann nicht sein, dass der Händler verpflichtet werden soll, möglichst das komplette Sortiment einer Marke oder Linie zu führen; jedoch einige Depotanbieter mehr und mehr dazu übergehen, bestimmte Produkte exklusiv für bestimmte Handelsgruppen zu produzieren“ sagt Bernd Kruschka, Geschäftsführer der Cospar.

Denn es verunsicherte die Verbraucher, wenn ein autorisierter Depositär plötzlich nicht mehr in der Lage ist, Produkte einer seiner Depotmarken anzubieten oder nicht einmal über deren Existenz informiert ist.

„Exklusivprodukte, die nicht allen Deposition zugänglich sind, stellen die Kompetenz der anderen autorisierten Depositäre infrage und führen zu einer Verunsicherung der Verbraucher.“ so Manfred Dietzler, von der Mülheim-Kärlicher Kooperation Wir-für Sie.

Für den Fachhandel, der von seiner Markenkompetenz lebt, und bei dem die eigene Beratungsleistung und das Vertrauen seiner Kunden höchste Priorität haben, eine schwierige Situation, so Christian Lorenz, Geschäftsführer der Beauty Alliance, Bielefeld:

„Dies führt zu Verunsicherungen bei den Verbrauchern und wirft darüber hinaus ein schlechtes Licht auf den Händler…

Für den Facheinzelhandel, für den Service und Beratung eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle im Verhältnis zum Kunden spielen, eine unhaltbare Situation. Letztlich leiden auch die betroffenen Hersteller: „Das ist nicht imagefördernd, auch nicht für die Marke.“ betont Manfred Dietzler.

Dabei handelt es sich bei der Exklusivvergabe von Produkten selbst aus Depotvorträgen und keine wirklich neue Erscheinung:

„Schon vor 6-8 Jahren hat es eine Tendenz gegeben Produkte aus Depotvorträgen dennoch exklusiv an einzelne Handelspartner zu vergeben. Inzwischen, ist diese Strategie in Vergessenheit geraten,… weil sie so erfolgreich war?“ gibt auch Elmar Keldenich vom Bundesverband Parfümerien zu bedenken.

„Wir werden versuchen, im konstruktiven Dialog, eine Lösung für das Problem zu finden. Letztlich ist es im Interesse aller Beteiligtem  zu verhindern, dass alte Fehler noch einmal gemacht werden. Daher laden wir auch die Hersteller ausdrücklich zur Zusammenarbeit ein.“

Das fordert auch Christian Lorenz: „Ich bin der Meinung, dass der Parfümerieverband eine Klärung herbeiführen muss, damit die Depotverträge nicht systematisch ausgehöhlt werden“.

Ein selektives Vertriebssystem kann nur funktionieren, wenn die Vertragskriterien unterschiedslos und diskriminierungsfrei  auf alle Depositäre angewendet werden. Die Art und Weise, wie die Branche auf diese Herausforderung reagiert wird zeigen welchen Stellenwert die Depotverträge und deren Handhabung für Hersteller und Lieferanten noch haben.

Sollte das Rad nicht mehr zurück zu drehen sein, fordert Horst-Dieter Hartig, Geschäftsführer der Topcos zumindest die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer beim Thema Exklusivprodukte: “Ich würde mir allerdings wünschen, dass alle Lieferanten den privaten Fachhandel gleich behandeln, wie die Konzern-Filial-Unternehmen.”

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[Text/Grafik: parfuemerienachrichten]