Kommentar: Freier Wettbewerb, Online-Versandhandel und Protektionismus

Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverband Parfümerien e.V.

Das Internet hat die Handelslandschaft deutlich und nachhaltig verändert. Am deutlichsten zeigt sich das amVersandhandel. Während die Dinosaurier der Branche wie Quelle oder Neckermann mit ihren dicken Katalogen das Feld räumen mussten entsteht eine neue Generation von Versandhandelsunternehmen: Sie starten, im Gegensatz zu Ihren Vorgängern, meist als Spezialisten in den Markt und bauen die Sortimente dann zunehmend weiter aus. Prominente Beispiele sind der amerikanische Buchgigant Amazon.com oder der deutsche Schuhversender Zalando. So innovativ und neu diese Unternehmen auch sein mögen, eine ganze Reihe von Ihnen hat eines mit den Dinos der Branche gemeinsam: Sie haben in Ihrer Unternehmensgeschichte noch nie oder selten schwarze Zahlen geschrieben.

Kein Wunder, schließlich unterscheidet sich ihr Geschäftsmodell zum Teil deutlich von dem traditioneller Handelsunternehmen. Es geht dann nicht mehr länger um das Erzielen von Gewinnen durch den An- und Verkauf von Waren oder Dienstleistungen sondern um das schnelle Gewinnen von Marktanteilen. Ein Ziel, dass durch den scheinbar unbegrenzten Mittelzufluss finanzstarker Investoren als durchaus erreichbar erscheint. Die Unternehmen fungieren dabei quasi als Option auf die zukünftig zu erwartenden Gewinne. Eine Übertragung der Regeln des Finanzmarktes auf den Handel. Sind Unternehmen, die dummerweise noch immer auf Gewinne aus der eigenen Geschäftstätigkeit angewiesen sind, in diesem Wettkampf nicht zwangsläufig die Verlierer?

Das scheint zumindest das französische Parlament zu befürchten: Hier wurde jüngst mit erstaunlicher Einigkeit, über die Grenzen der politischen Lager hinweg, eine Gesetzesvorlage verabschiedet, die den versandkostenfreien Verkauf rabattierter Bücher als unlauteren Wettbewerb einstuft. Noch interessanter ist, was Kulturministerin Aurelie Filippetti dazu zu sagen hat: In einem Pressegespräch äußerte Sie die Überzeugung, dass diese Art der Preisgestaltung nur dazu dient, über den Gewinn von Marktanteilen langfristig den Wettbewerb auszuschalten, um dann die Preise zu erhöhen.

Hat Sie recht und falls ja, ist dieses Vorgehen gerechtfertigt? Protektionismus ist, mag man einwenden, selten eine adäquate Antwort auf Wettbewerbsfragen. Was hier jedoch im Handel passiert hat mit freiem Wettbewerb ebenso wenig zu tun. Letztlich werden die Regeln des Finanzmarktes auf den Handel übertragen, Wettbewerb ausgeschaltet und Unternehmen zu Spekulationsobjekten. Sicherlich, das ist nichts wirklich Neues, neu sind aber Dimensionen und Geschwindigkeit dieser Entwicklungen im Handelsbereich.

Schwarzseher mögen hier Parallelen zu den jüngsten Entwicklungen im Immobilien- bzw. Bankensektor sehen. Diese rissen in Folge der Lehmann Pleite nicht nur die Banken, sondern ganze Staaten beinahe in den Abgrund.

Immer, wenn spekulative Gewinne in der Zukunft den realen Wettbewerb in der Gegenwart, egal in welchem Bereich, beeinflussen oder verfälschen, lohnt es sich auf jeden Fall genau hinzusehen. Nur in Frankreich?

[Text/Bild: Bundesverband Parfümerien]

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