Am heutigen Donnerstag haben Freunde, Familie und Wegbegleiter in der Bochumer Probstei Kirche St. Peter und Paul Abschied von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Hans Hatt genommen – standesgemäß begleitet von Weihrauch und dem Duft von Maiglöckchen. Der bekannte Geruchsforscher, Biologe und Mediziner hat mit seinen Büchern wie „Das Maiglöckchen-Phänomen“ und „Niemand riecht so gut wie du“ nicht nur in der Wissenschaft, sondern weit darüber hinaus ein Bewusstsein für die Bedeutung von Riechen und Duft geschaffen – für den menschlichen Organismus und das soziale Miteinander.
Ein Leben für die Wissenschaft und das Riechen
Von 1992 bis 2022 war Hans Hatt Professor an der Fakultät für Biologie und Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum. Über seine wissenschaftliche Arbeit hinaus machte er immer wieder mit besonderen Projekten, Vorträgen, Ausstellungen und Aktionen auf sich aufmerksam.
Ein besonderes Highlight war 2011 die von ihm initiierte Duftausstellung „Himmlische Düfte und Höllengestank“ – Europas größte ihrer Art. Sie wurde in den Gärten Schloss Trauttmansdorff in Meran (Italien) konzipiert und umgesetzt und war bis 2014 an verschiedenen Orten, unter anderem im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum, zu sehen und zu riechen.
Wissenschaft verständlich und lebendig
Hans Hatt verstand es meisterhaft, komplexe Forschungsergebnisse verständlich und unterhaltsam zu vermitteln – sei es in Talkshows, Fernsehauftritten, Radio-Interviews oder Vorträgen, etwa bei der Parfümerietagung des Bundesverbands Parfümerien. Sein Team entdeckte unter anderem, dass Spermien Maiglöckchenduft riechen können (2003), dass Jasmingeruch eine beruhigende Wirkung hat (2010), dass Rezeptoren in der Haut Sandelholzduft wahrnehmen, der die Wundheilung fördert (2014), und dass Zitrusduft das Wachstum von Leberkrebszellen hemmen kann (2015).
Das erste Universitätsparfum der Welt – Ein Duft für die Wissenschaft
Am 22. Juli 2015 präsentierte Hans Hatt zum 50. Jubiläum der Ruhr-Universität Bochum das Parfum „Knowledge by RUB“. Entwickelt wurde es auf Basis seiner Forschungsergebnisse zusammen mit dem Parfümeur Geza Schön und Robert Müller-Grünow von Scentcommunication. Der Duft enthält unter anderem Hedion, einen zarten Magnolienduft, der als erster Bindungspartner für einen menschlichen Pheromonrezeptor identifiziert wurde. „Knowledge“ wirkt entspannend, fördert geistige Frische und Konzentration und beeinflusst die zwischenmenschliche Kommunikation. Das erste Universitätsparfum der Welt war exklusiv auf dem RUB-Campus und in ausgewählten Verkaufsstellen der Region erhältlich.
Ein großer Verlust für die Parfümeriewelt
Mit Hans Hatt verliert die Parfümeriewelt einen ihrer prominentesten Denker und engagiertesten Fürsprecher. Er verstarb am 20. April 2026 im Alter von 78 Jahren in Bochum. Sein Wirken wird uns noch lange in Erinnerung und lebt im Denken vieler Menschen und dem Wirken unzähliger Studenten und und Doktoranden im wissenschaftlichen Bereich weiter.
[Text/Bild: Bundesverband Parfümerien/parfuemerienachrichten]

